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Goethe

War Goethe nun Muslim oder nicht?

Diese Frage wird oft diskutiert. Deshalb wird dieses Thema hier auch nicht noch einmal aufgenommen. Es geht uns nicht darum, das Muslimsein von Goethe hier zu beweisen oder ihn nach seinem Tod zum Muslim zu erklären. Wir möchten gerne sein positives Interesse für den Islam unterstreichen, denn das ist das Einzige, was wirklich zu beweisen und nicht zu leugnen ist. Hier sind also einige der vielen Aussagen Goethes zum Islam.

Gott ist nur Einer!: In Anlehnung an Sure 112 verneint Goethe in aller Klarheit die Sohnschaft Jesu (Friede-Segen mit ihm) und berührt den Glaubensinhalt des Qur´an, indem er schrieb:
„Gott ist nur Einer,
Ein einziger, Reiner,
Hat nicht gezeugt,
Und Ihn gezeugt hat keiner."

Die Allmacht Allahs: Goethe bekräftigt ebenfalls ohne Herumrederei den großen Sinn des Qur´an Verses 42:49 (gelesen: Sure 42, Vers49) durch folgende wenige Worte (aus dem „Buch des Unmuts":
„Hätt´Allah mich bestimmt zum Wurm,
So hätt´er mich als Wurm geschaffen."

Originalmanuskript mit Goethes Handschrift. Auf der obersten Zeile steht in arabischer Handschrift die Basmala (=Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen)

(aus dem Goethe und Schiller Archiv 25/W 798)

(zum vergrößern bitte auf das Bild klicken)

Die qur´anischen Angaben betonen die menschliche Natur Jesu und seiner Mutter, Friede sei auf beiden. Im Sinne der beiden Qur´an-Verse 3:59 und 5:116 verfasste Goethe folgende Zeilen aus dem Nachlass- Gedicht „Süßes Kind, die Perlenreihen":
„Jesus fühlte rein und dachte
Nur den Einen Gott im Stillen;
Wer ihn selbst zum Gotte machte
Kränkte seinen heiligen Willen.

Und so muss das Rechte scheinen
Was auch Mahomet gelungen;
Nur durch den Begriff des Einen
Hat er alle Welt bezwungen."

Angeregt durch die 2. Sure des Koran sind die folgenden Verse, die wiederum einen Lieblingsgedanken Goethes ausdrücken: dass Gott sich in den Naturerscheinungen spiegele, dass er ihnen erkennbar sei:
„Sollt´ ich nicht ein Gleichnis brauchen
Wie es mir beliebt?
Da uns Gott des Lebens Gleichnis
In der Mücke gibt."

Das wird dann wiederum abgewandelt in:
„Sollt´ ich nicht ein Gleichnis brauchen
Wie es mir beliebt?
Da mir Gott in Liebchens Augen
Sich im Gleichnis gibt."

Dies Gedicht leitet die Gruppe der „Talismane" ein, die im „Buch des Sängers" steht. Noch ein weiterer Vierzeiler dieser Gruppe beruht auf dem Koran, und zwar auf der 1. Sure:
„Mich verwirren will das Irren;
Doch du weißt mich zu entwirren.
Wenn ich handle, wenn ich dichte,
Gib Du meinem Weg die Richte."

Einen Vers aus der 16. Sure des Koran nachgebildet ist ein weiteres Spruchgedicht aus dem „Buch des Sängers":
„Er hat uns die Gestirne gesetzt
Als Leiter zu Land und See;
Damit ihr euch daran ergetzt,
Stets blickend in die Höh."

Aus allen diesen Gedichten klingt bereits mehr oder weniger offenkundig heraus das Thema von der Leitung unseres Schicksals durch den Willen Gottes, das für die Goethe eine so große Bedeutung für Goethe hatte, wie wir sahen. Immer wieder wird im „West-östlichen Divan" auf diese religiöse Überzeugung angespielt. So z.B. in den Versen eines Gedichts aus dem „Buch der Sprüche":
„Der Herr der Schöpfung hat alles bedacht.
ein Loos ist gefallen, verfolge die Weise,
Der Weg ist begonnen, vollende die Reise."

Islam ist das arabische Wort für Gottergebenheit und ist in zahlreichen Suren anzutreffen. Ob Goethe arabische Sprachkenntnisse oder ein klares Verständnis des Buches Allahs hatte, zeigen folgende gereimte Zeilen (aus dem „Buch der Sprüche":
„Närrisch, dass jeder in seinem Falle
Seine besondere Meinung preist!
Wenn Islam Gott ergeben heißt,
Im Islam leben und sterben wir alle."

Das Buch der Bücher!: Auch folgende Zeilen zeigen deutlich, dass Goethe einen ziemlich weiten Überblick über den Qur´an hatte. In Übereinstimmung mit dem Qur´an-Vers 5:48 sagte er (in „das Schenkenbuch"):
„Ob der Koran von Ewigkeit sei?
Darnach frage ich nicht!...
Dass er das Buch der Bücher sei
Glaub´ ich aus Mosleminen-Pflicht."

Im Vierzeiler aus dem „Buch des Sängers" wird Gott abermals als der Eine, Einzige gepriesen, sowie als der Schicksalbestimmende. Dann aber erscheint hier noch ein weiterer, für Goethe gleichfalls bedeutsamer Aspekt:
„Er der einzige Gerechte
Will für jedermann das Rechte.
Sei, von seinen Hundert Namen,
Dieser hochgelobet! Amen."

Kenner des Divan werden sich erinnern, dass auch eins der großen Suleika-Gedichte mit einer Anspielung auf diese hundert Namen Allahs schließt:
„Und wenn ich Allahs Namenhundert nenne,
Mit jedem klingt ein Name nach für dich."

Vier Gnaden von Johann Wolfgang von Goethe vom 6.2.1824 aus dem West-östlicher Divan

Dass Araber an ihrem Teil
Die Weite froh durchziehen,
Hat Allah zu gemeinem Heil
Der Gnaden vier verliehen.

Den Turban erst, der besser schmückt
Als alle Kaiserkronen;
Ein Zelt, das man vom Orte rückt,
Um überall zu wohnen;

Ein Schwert, das tüchtiger beschützt
Als Fels und hohe Mauern;
Ein Liedchen, das gefällt und nützt,
Worauf die Mädchen lauern.

Und Blumen sing ich ungestört
Von ihrem Schal herunter,
Sie weiß recht wohl, was ihr gehört,
Und bleibt mir hold und munter.

Und Blum' und Früchte weiß ich euch
Gar zierlich aufzutischen,
Wollt ihr Moralien zugleich,
So geb ich von den frischen.

Quelle: www.kaaba-online.de

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